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RC A 81 unterstützt Skipsy

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Nachrichtenbild Rund 500 000 Kinder in Deutschland haben Eltern, die akut unter einer psychischen Krankheit leiden. Das Projekt Skipsy in Singen nimmt sich ihrer an. Wir vom Rotary Club A 81-Bodensee-Engen unterstützen Skipsy finanziell und tatkräftig, zum Beispiel durch einen Fahrdienst.

Caroline Geyer hat mit Maria Müller, Diplom Sozial- und Heilpädagogin sowie Werner Neidig von der AWO Singen gesprochen.

Etwa 1,6 Millionen Menschen werden jedes Jahr in Deutschland wegen einer psychischen Krankheit behandelt. Viele von ihnen sind Eltern. Was erleben die Kinder dieser Eltern? Welche Auswirkungen hat es wenn Vater oder Mutter beispielsweise depressiv ist?


Maria Müller: Die Kinder erleben die Eltern als sehr, sehr traurig. Erleben manchmal, dass die Eltern sehr spät aufstehen, oder überhaupt nicht aufstehen. Sie können nicht einordnen warum sie so traurig sind, warum sie weinen, nicht aufhören zu weinen. Sie beziehen es manchmal auf sich. Sie denken dann: „War ich in der Schule schlecht? Hab ich sie gekränkt? Hab ich so irgendetwas gemacht?“ Sie haben keinen Namen für die Krankheit und sie können sich einfach nicht vorstellen, was mit der Mama los ist, denn gestern war sie ja vielleicht noch ganz lustig.

Wenn zum Beispiel eine Borderline-Problematik vorliegt, mit großen Stimmungsschwankungen, also das betroffene Elternteil wird plötzlich aggressiv, sozusagen aus dem Nichts, schreit, kann mit der Wut nicht umgehen, dann bekommt das Kind Angst.


Gibt es, einerlei welche psychische Krankheit die Eltern haben, übergreifende Reaktionen der Kinder?


Maria Müller: Ja. Das ist etwas was wir häufig erleben, dass die Kinder reife Kinder sind, so Superkinder. Manchmal gehen wir aus den Gruppen mit richtiger Hochachtung vor den Kindern. Manche Kinder lernen sehr früh darauf zu achten, dass die Eltern ihre Medikamente nehmen, sie sorgen sich, organisieren einiges, also sie sind manchmal emotional sehr viel reifer.


Wie reagieren jüngere Kinder, wie ältere? Gibt es einen Unterschied?


Maria Müller: Die Frage ist schwierig. Wenn die Mutter krank ist und das Kind erlebt das sehr früh, dann erlebt es diesen Alltag als normal. Wenn die Mutter oder der Vater eine Weile gesund sind und werden dann krank, dann kommt es zu einer Irritation und die Irritation führt natürlich zu Ängsten. Was ist los mit der Mama? Sie bemerken, dass die Umgebung die Mama anders wahrnimmt, das macht auch wieder Angst. Sie werden isoliert. Wenn sie älter sind, trauen sie sich nicht Freunde einzuladen, weil man weiß ja nicht, liegt die Mama heute auf dem Sofa, hat sie heute ihren schlechten Tag. Das heißt, viele unserer Kinder haben auch Schwierigkeiten mit Kontakten. Das ist ein Grund warum Skipsy so wertvoll ist, dass sie da erleben, dass andere Kinder ähnliche Kontaktschwierigkeiten haben und sie erleben, wie schön es ist, wieder mit anderen Kindern zusammen zu sein.


Wie reagieren die Eltern wenn sie Angebote machen für die Kinder?


Maria Müller: Wenn jemand akut krank ist, dann ist er nicht in der Lage an die Angehörigen zu denken. „Unsere“ Eltern sind ja meist schon ein Stück weiter. Sie haben bereits Therapien hinter sich oder laufende Therapien. Und sie werden „überwiesen“ – sag ich jetzt – von Fachkollegen, die mit den Elternteilen arbeiten, also von der psychologischen Beratungsstellen, von den anderen Beratungsstellen wie zum Beispiel der Schulberatungsstelle, vom Jugendamt, von der Tagesklinik von der Reichenau, von den Psychiatern in der Stadt Singen. Aber wir haben auch Fälle, wo sich Kollegen zwei Jahr bemühen die Betroffenen zu überzeugen, dass Skipsy ein gutes Angebot ist.


Was sind die Vorbehalte der Eltern?


Maria Müller: Ich denke Scham. Das ist ein gesellschaftliches Problem. Psychische Krankheiten sind tabuisiert.


Was bieten sie den Kindern?


Maria Müller: Wir bieten ihnen einen Raum, wo es entspannt zugeht, wo es fröhlich zugeht, wo sie Kinder sein können, spielen können, lachen können – das ist sicherlich was ganz wichtiges. Wir bieten ihnen aber auch Information. Das heißt, wir nehmen manchmal Bücher zu Hilfe, die diese Themen aufarbeiten. Wir beantworten ihre Fragen kindgemäß, wir versuchen zu erklären wie sie sich verhalten können, wir versuchen neue Bewältigungsstrategien spielerisch mit ihnen zu finden. Praktisch gibt es viele Rollenspiele, wir erzählen viele Geschichten, wir arbeiten künstlerisch. Damit sie ihre Gefühle kennen lernen und lernen mit ihnen adäquat umzugehen. Und damit sie auch lernen, mit anderen Kindern kann ich darüber reden, ich bin in einem vertrauten Rahmen und es geht mir gut dabei.


In welchem Alter sind die Kinder? Gibt es eine Begrenzung bei Skipsy?


Maria Müller: Dank Kinderland Baden-Württemberg haben wir jetzt sogar die Möglichkeit 5-jährige zu nehmen oder Kinder, die einen erhöhten Förderbedarf haben. Dann haben wir eine Gruppe für jüngere Schulkinder, eine Gruppe für ältere Schulkinder, ein Angebot für Jugendliche und ein Angebot für junge Erwachsene.


Skipsy läuft jetzt fast vier Jahre und wir haben in den vier Jahren 42 Kinder betreut. Die Verweildauer ist zwischen einem halben Jahr bis zu zwei Jahren. Ergänzend haben wir noch ein Angebot für die Kinder, die zwei Jahre da waren und weiterhin Kontakt wollen: die Ehemaligengruppe, sie trifft sich einmal im Monat.


Reden die Kinder miteinander über die Probleme in ihrer Familie?


Maria Müller: Es ist sehr unterschiedlich. Manchmal sogar Tagesverfassung. Es kommt darauf an was jedes Kind mitbringt. Wenn ein Kind mitbringt, dass die Mama jetzt wieder nicht aufgestanden ist und dass es schlimm war, dass es heute die Schulsachen und alles vergessen hat, dann sind wir beim Thema Mutter. Große sprechen das direkt an, die fragen: was ist Borderline? Kleine leben es eher.


Hilft Skipsy den Kindern selbst nicht psychisch krank zu werden?


Maria Müller: Es ist für alle die präventiv arbeiten ein großer Wunsch, aber wir haben es nicht in der Hand.


Bekommen sie Rückmeldungen?


Maria Müller: Ja. Wir haben Auswertungsbogen. Die andere Sache ist der Kontakt zu den Ehemaligen in den Ehemaligengruppen. Da merkt man, dass die immer gerne wieder kommen, dass sie mal eine Mail schreiben, sagen wie es ihnen geht. Das sind Zeichen für uns, es bringt ihnen etwas.


Was bringt den Kindern am meisten?


Maria Müller: Die häufigste Antwort ist: „Dass ich weiß was mit Mama oder Papa los ist“, „dass ich weiß, dass Psychiatrie kein schlimmes Wort ist“, „dass Mama oder Papa eine normale Krankheit haben“. Das geht aus den Auswertungsbogen hervor. Sehr häufige Auswertungen sind aber auch, dass „es lustig war“, dass „es schön war“, dass „wir gespielt haben“, „die anderen Kinder“.


In wie weit ist die AWO im Spiel bei Skipsy? Wie finanziert sich Skipsy?


Werner Neidig: Die AWO ist in so weit hier mit im Spiel, als sie als Rechtsträger für dieses Projekt fungiert. Das heißt, wir müssen schauen, dass die Finanzierung der etwa acht Honorarkräfte, die da regelmäßig mitarbeiten, auch ein Anteil einer hauptamtlich beschäftigten Mitarbeiterin, letztendlich finanziert werden können. Dazu sind wir in der glücklichen Lage, dass wir zunächst einmal einen Zuschuss vom Landkreis Konstanz erhalten und dann sind wir immer wieder darauf angewiesen, dass wir über Stiftungen und andere Gruppierungen regelmäßige andere Finanzierungsquellen uns erschließen. Wir sind froh, dass es gelungen ist über die Rotarier zusätzliche Mittel zu bekommen, um einige Projekte die wir zusätzlich vor haben mit den Kindern auch durchführen zu können.

Also derzeit sind die Finanziers für das laufende Jahr 2010:

Der Landkreis Konstanz, die AWO, sie muss auch einige Mittel zusätzlich einbringen, dann erwarten wir jetzt von den Rotariern eine Spende und die Stiftung Kinderland Baden-Württemberg hat uns auch einen Zuschuss bewilligt, so dass wir insgesamt über 30.000 Euro über diese Mittel finanzieren können.


Das heißt aber sie müssen von Jahr zu Jahr schauen, dass sie sich Geldquellen erschließen?


Werner Neidig: Das ist richtig. Wir sind sehr froh, dass die vielen Ehrenamtlichen, die bei uns im Projekt mitarbeiten, sehr aktiv daran arbeiten, dass wir über zusätzliche Sponsoren an Gelder heran kommen. Denn die Zuschüsse, die wir bisher pauschal vom Landkreis erhalten haben, würden die Gesamtkosten des Projektes nicht decken. Zumal sie für den Landkreis Konstanz 2010 auslaufen und wir darauf angewiesen sind, dass eine Weiterförderung ab 2011 dann auch tatsächlich wieder bewilligt wird.


Woher kommt das Wort Skipsy?


Werner Neidig: Skipsy ist fast ein Kunstwort. Es setzt sich zwar zusammen aus dem Satz „Singener Kinder psychisch kranker Eltern“, aber uns war sehr wichtig, dass ein Wort gefunden wird mit dem sich auch die Kinder identifizieren können, das für sie eingängig ist. Aber es sind nicht nur Singener Kinder, die an den Gruppen teilnehmen, sondern inzwischen vom gesamten westlichen Landkreis: Höri, Konstanz, Radolfzell, Gottmadingen und Engen.


Dann ist das aber sicher auch ein logistisches Problem. Wie ist das geregelt, dass die Kinder rechtzeitig bei ihnen in der Gruppe sein können?


Maria Müller: Da haben wir auch wieder Glück, dass der Rotary Club A 81-Bodensee-Engen uns hier tatkräftig hilft und eine Frau den Fahrdienst übernommen hat. Natürlich schauen wir, dass die Kinder von den Eltern oder Betreuungspersonen gebracht werden, aber manchmal wäre es nicht möglich ohne diesen Fahrdienst.


Sie haben als Logo für Skipsy ein Känguru gewählt, warum?


Maria Müller: Eigentlich haben wir uns da gar nicht so schrecklich viel überlegt. Es hatte einer gesagt, irgendwo in einem Kinderbuch heißt ein Känguru Skipsy, dann haben wir das in den Gruppen besprochen und die fanden das alle ganz toll, weil ein Kängurubeutel gleichzeitig etwas beschützendes und doch offenes ist.







Donnerstag, 15. April 2010/web285
Letzte Änderung: 13.05.10/web285


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