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Donnerstag, 30. April 2009
Rotarische Studienreise nach Kroatien



Landung auf Krk, hier betreten wir kroatischen Boden. Mit dem Bus fahren wir über die Insel, die vielen nur als Wort aus dem Kreuzworträtsel bekannt ist. 17 000 Einwohner leben hier, in der Urlaubssaison, im Juni, Juli und August, kommen über 10.000 Gäste dazu, erzählt uns die Reiseführerin. Krk ist eine der größten Inseln der Adria. Auf ihr gibt es zwei Süßwasserseen, die Insulaner und Touristen mit Wasser versorgen. Außerdem gedeihen Wein und Oliven. In den dichten Wäldern der Insel lebt jede Menge Wild. Das Meer liefert Fisch. Alles, was man zum Leben braucht, ist da, deshalb wird Krk auch die „Goldene Insel“ genannt.
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Zunächst fahren wir in den Süden, durch dichten Wald, eine Art Macchia. Eichen wachsen dort, Ginster und viel Gestrüpp. Um durchzukommen, bräuchte man eine Machete. Und man könnte auf Bären stoßen, sagt unsere Reiseführerin - ob sie uns da keinen Bären aufgebunden hat? Wir sehen verlassene Häuser, der Krieg hat seine Spuren hinterlassen. Sie gehören Serben, die nicht mehr zurückgekommen sind. Doch Krk war nicht nur im Bürgerkrieg umkämpft. Schon die alten Römer waren auf der Insel, später kamen die Venezianer, dann die Österreicher. Ihre Einflüsse sind bis heute zu spüren. So stammen viele Wörter im Krker Dialekt aus Italien. Der Boden in Krk ist sehr steinig. Dort wo noch Landwirtschaft betrieben wird, haben die Menschen Steinmauern aufgesetzt, zum Schutz vor Wind und Erosion. Dazwischen grasen Schafe. Sie laufen frei herum. Ihr Fleisch soll sehr aromatisch sein. Denn die guten Kräuter der Insel und das Salz des Meeres würzen die Tiere ganz automatisch, sagt man auf Krk. Auf den Feldern wachsen Mangold, Oliven und Feigen. Doch die Landwirtschaft ist stark zurückgegangen. Heute leben die meisten Insulaner vom Tourismus oder arbeiten in der einzigen Fabrik der Insel. Stolz sind die Insulaner auf ihren Moorstrand. Das Moor enthält Schwefel und soll gut gegen allerlei Hautkrankheiten sein. Bei unserem Mittagessen bekommen wir eine Spezialität der Insel serviert, handgemachte Nudeln, die von ihrer Konsistenz ein Mittelding sind zwischen Spätzle und Makkaroni. In der Mitte haben sie jedenfalls ein Loch. Das kommt davon, dass der Teig über Stricknadeln gerollt wird. Krk, heißt aber nicht nur die Insel. Krk heißt auch die einzige Stadt darauf. Sie hat 3500 Einwohner.
Von Krk fahren wir mit dem Bus nach Zadar. Auf der Autobahn staut sich der Verkehr. Wir weichen auf die Landstrasse aus und kommen viel später im Hotel an als geplant. Doch es liegt am Meer, die Zimmer sind schön und wir müde.
Freitag, 1. Mai: Die geplante Bootsfahrt zu den Kornaten fällt aus, (die muss man sich vorstellen wie eine Inselperlenkette um Kroatien herum). Der Regen der vergangenen Tage ist Grund für die Programmänderung. Zu viele Absagen anderer „Touris“ . Robi organisiert ein Ersatzprogramm, das keinesfalls nur Ersatz ist. Wir fahren mit dem Bus zu den Wasserfällen von Skradin. Der Fluss Krka ergießt sich dort. Wir wandern den Berg hoch, überqueren auf Holzstegen sprudelndes Wasser. Überall tost es. Die Regenfälle der vergangenen Tage machen die Wasserfälle besonders imposant. Auch die Einheimischen sind heute, am Tag der Arbeit, im Nationalpark. Menschen dicht an dicht. Leichtes Unbehagen kriecht in uns hoch, doch die Wasserfälle von Skradin sind so grandios, dass wir uns gerne einreihen in den Menschenstrom.
Später in der Altstadt von Sibenik. Sie ist an diesem Tag fast ausgestorben. Auch hier waren die Venezianer (1412). Sie haben ihre Spuren hinterlassen, schöne Spuren. Den Rektorenpalast zum Beispiel und vor allem die dreischiffige Basilika. 105 Jahre wurde an ihr gebaut, von 1431 – 1536. Sie vereint venezianische Gotik und Renaissance. Ein Dach ganz aus Stein, in das es nicht hinein regnet. Alles in Nut- und Federbauweise.
Am Abend hat Robi für uns in Nin, der kroatischen Königsstadt, ein super Abendessen organisiert. Es ist ein Restaurant, das eigentlich nur im Sommer geöffnet hat und heute extra für uns aufmacht. Zum Apero bekommen wir unter anderen Maraschino, den typisch kroatischen Sauerkirsch-Likör. Er wird mit Ästen und Blättern angesetzt und bekommt dadurch eine rassige Note. Zur Vorspeise essen wir rohen Schinken, ein bisschen wie Parmaschinken, nur viel besser, und Käse, der an Grana Padana erinnert. Dann servieren die Freunde von Robi Tintenfisch Risotto, schwarz gefärbt von der Tintenfischtinte, mit Tintenfischstückchen. Die sind super zart und nicht zu vergleichen mit den zähen, kaugummiartigen Tintenfischringen, die man sonst manchmal serviert bekommt. Der kroatische Tintenfisch ist so zart, verraten die Einheimischen, weil er im Meer nicht so weit unten lebt wie andere Tintenfische und zum Teil im Brackwasser gefischt wird, also dort, wo sich Salz- und Süßwasser mischen. Dritter Gang : gegrillter Fisch, der extra vom Wirt für uns gefangen wurden. Brassen und noch einmal die unvergleichlichen Tintenfische. Dazu gibt es Mangoldgemüse. Ab da heißt es tief durchatmen: es naht der vierte Gang. Kalbsfleisch und Kartoffeln auf traditionelle Art zubereitet, in einer Art Römertopf. Über einem riesigen Grill werden zwei Tonschalen erhitzt. Dann räumt der Koch die Glut beiseite. In flachen Schalen stellt er Fleisch und Kartoffeln auf die heißen Steine. Darüber stülpt er die Tonglocken und verteilt die Glut drum herum und oben drauf. Nach einer Dreiviertelstunde ist das Essen fertig – wunderbar. Alle schwärmen von den Kartoffel und können sich kaum zurückhalten, obwohl sie bereits pappsatt sind. Nachtisch – klar, den gibt es auch noch: Kuchen, auch lecker.
Samstag, 2. Mai: Wir haben kurz frei und müssen verdauen. Einige kucken aufs Meer. Andere gehen mit Robi in die Innenstadt von Zadar auf den Markt. Samstags ist dort „Schaulaufen“, sagt Robi. Alle machen sich fein. Vor allem die, die noch zu haben sind.
Um die Mittagszeit treffen wir uns mit Rotarischen Freunden aus Zadar. Herr Mladen Kollega und Robert Bacalj kommen als Vertreter des Rotary Club Zadar zu uns ins Hotel. Herr Kollega ist Architekt und hat unser Hotel gebaut, er kennt sich aus in den Räumlichkeiten. Nach der herzlichen Begrüssung werden in der Hotelbar Geschenke und Clubwimpel getauscht und dann wird erzählt: die Freunde aus Zadar gehören dem flächenmäßig größten Distrikt der Welt – 1910 - an, er erstreckt sich von Österreich über Ungarn, Slowenien und Bosnien bis Kroatien. Ein eigener kroatischer Distrikt ist erklärtes Ziel, aber dazu brauchen sie Menschen, die bereit sind, sich für Rotary einzusetzen. Doch sehr viele Menschen in Kroatien sind mit der Bewältigung ihres eigenen Alltags schon mehr als ausgelastet. Das monatliche Durchschnittseinkommen liegt bei 700 EUR, da bleibt wenig finanzieller Spielraum. Und die Aufarbeitung der Folgen des Krieges von 1991-1995 ist noch lange nicht abgeschlossen, physisch nicht und psychisch nicht. Hier greift u.a. das soziale Engagement des RC Zadar: de-mining – die Vernichtung der Landminen - ist der Schwerpunkt. Immer noch sind in den Grenzregionen große Flächen mit Landminen verseucht und die Arbeit der Minensucher kostet viel Geld. Um dieses zu bekommen wird z.B. jährlich eine große Rotarische Regatta in den Kornaten ausgerichtet - mit Sicherheit eine wunderbare Gelegenheit, Freundschaft zu pflegen und zugleich konkrete Hilfe zu leisten! Dankbar für den offenen Dialog und wieder einmal tief beeindruckt von der Vielfalt der rotarischen Begegnungen verabschieden wir uns nach einer guten und guten Stunde – do videnja – auf Wiedersehen!
www.rotary.at/district1910
Am Nachmittag geht’s zur Stadtführung nach Zadar. Wir sehen die Stadttore, gehen über den Fünf-Brunnen-Platz. Eigentlich handelt es sich dabei um Zisternen, die die Stadt früher mit Wasser versorgt haben. Während des Bürgerkrieges, als die Serben den Kroaten nicht nur das Wasser abdrehten, sollten sie noch einmal belebt werden, doch sie funktionierten nicht mehr. Die „Kalle Larga“ ist die schönste Straße der Stadt. Wir kommen zum alten Forumsplatz und zur heiligen Donatus-Kirche im romanischen Stil. Witzig: Sie steht komplett auf Bruchstücken des alten, römischen Forumsplatzes. Unten lugen Säulenstücke raus. Auch die heilige Anastasia Kirche im romanisch-gotischen Stil beeindruck, weniger dagegen eine für kroatisch Verhältnisse etwas „bescheiden“ gekleidete Braut. Unsere Reiseführerin ist entsetzt. So sehen kroatische Bräute nicht aus! Nach dem Besuch eines Eiscafes, suchen wir noch ein Klostermuseum auf: Gold und Silber überall: Reliquienschreine, Kreuze, Hände aus Gold. Dazu Ikonen, Bischofsstäbe, Goldfadenstickereien, Klöppelspitzen.
Die Abreise rückt näher. Wir gehen zur Uferpromenade. Dort tönt die Meeresorgel. Pfeifen erklingen. Die Brandung verändert den Wasserstand in den Orgelpfeifen und verkürzt die Luftsäulen.
Und sonst? Es gäbe noch viel zu erzählen! Zum Beispiel, dass die kroatische Währung „Kuna“ heißt, was soviel wie Marder bedeutet. Dass die Dalmatiner tatsächlich aus Dalmatien stammen und früher als Militärhunde eingesetzt wurden. Dass die Kroatinnen „Dalmatinkas“ heißen und nicht Dalmatinerinnen. Dass die Kroaten heute noch unter den Folgen des Bürgerkriegs von 1991 – 1995 leiden. Dass die Kroaten stolz auf ihr Land sind und viel geschafft haben. Dass Kroatien 1777 Küstenkilometer hat und 1185 Inseln, Inselchen und Riffe und noch viel, viel, viel mehr Steine. Dass die Kroaten um diese Jahreszeit wilden Spargel in der Macchia stechen und sich dabei verkratzen. Dass die Adria zu salzig ist für Haie, aber viele Delphine vor der Küste leben. Dass einfache Gaststätten „Konoba“ heißen und Bora, der Wind, der das gute Wetter bringt…
Doch alles kann man in solch einem Bericht eben nicht erzählen. Am besten, Ihr fahrt selbst mal hin. Ohne Robi ist es aber sicher nur das halbe Vergnügen. DANKE Robi!
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Montag, 25. Mai 2009/web285
Letzte Änderung: 17.04.10/web285
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