|
Dafür aber umso beeindruckender und – angesichts der Bilder - teilweise erschütternd. In jedem Fall nötigte das Erfahrene uns allen größten Respekt vor dem Einsatz und den Leistungen des Vortragenden ab.
Der Vortrag hatte durch das Erdbeben in Japan leider traurige Aktualität erhalten und beschränkte sich daher auch nicht auf Haiti. Vielmehr berichtete Professor Domres von vielen Stationen seiner Tätigkeit und seiner Einsätze, begonnen mit dem letztlich gescheiterten Einsatz in Japan (wo es an Koordinationshilfe und Bereitschaft der Japaner, Hilfe zu akzeptieren fehlte), über Haiti, Armenien, Saudi-Arabien, Kambodscha und letztlich Gabun.
Von den verschiedenen Stufen, in die sich die Katastrophenhilfe theoretisch einteilen lässt, ist die erste – search and rescue (SAR) – die kritischste, da regelmäßig nur maximal 96 Stunden bleiben, um etwa nach einem Erdbeben Verschüttete zu retten.
Bauweise und Lebensstandard spielen bei Katastrophen wie Erdbeben, Schlammlawinen, Tsunamis die entscheidende Rolle für das Schadensbild. „Natürlich“ trifft es die Ärmsten regelmäßig am stärksten. Anschaulich wurde das Ausmaß der Katastrophen durch die teilweise bedrückenden Bilder, die den Vortrag begleiteten. Sie machten –sicher nur zu einem kleinen Teil – die Herausforderungen deutlich, vor denen ein Rettungsteam steht.
 Diskussionen nach dem Vortrag beim Imbiss Nicht nur, dass Professor Domres uns eindrücklich schilderte, dass der Katastrophenmediziner ein „Allrounder“ sein muss: Geburtshilfe (40%), Chirurg, Zahnarzt, Anästhesist und … Handwerker. Die Bilder, die zeigten, wie man mit Hilfe von Steinen, gebrochene Glieder streckt oder aus Besenstiel und Fahrradspeichen einen Fixateur externe für Beinbrüche „bastelt“, werden uns in Erinnerung bleiben. Die (ethisch) schwierigste Aufgabe, wenn gleich vermutlich die Wichtigste, ist wohl die sog. Triage, dh. das Auswählen derjenigen Patienten (unter ggf. Tausenden oder Hunderttausenden), die unter den gegebenen Bedingungen und angesichts knapper Ressourcen zu allererst behandelt bwz. notdürftig versorgt werden müssen. Damit ist unweigerlich das Zurückstufen anderer Patienten in Kategorien verbunden, die erst später oder gar nicht mehr behandelt werden.
Bilder und Beispiele aus Haiti und Kambodscha machten uns sehr deutlich, das niemand um diese schwierige Aufgabe zu beneiden ist. Daher befasste sich ein Teil des Vortrages auch mit den physischen und psychischen Belastungen des Helferteams selbst. Professor Domres wusste zu berichten, dass von seinem 30köpfigen Team, mit dem er in Kambodscha Kriegs- und Folteropfer behandelte, zwei Ärzte Selbstmord begingen, eine Krankenschwester wegen Depressionen zurückgeschickt werden musste und gegen zwei Mitglieder des Teams letztlich Disziplinarmaßnahmen notwendig waren, weil der Druck, der auf ihnen lastete, zu Verhaltensanomalien führte, die nicht mehr tolerabel waren.
 ROTARACT mit Präsidenten Christopher Jud (links) Am Schluss des einstündigen Vortrags stand noch ein „Ausflug“ in das Albert-Schweitzer-Krankenhaus nach Lambaréné/Gabun, wohin es Professor Domres und seine Familie gleich zu Beginn seiner Karriere verschlug. Dort geht es nicht nur um medizinische Soforthilfe, sondern auch um Erziehung und Aufklärung, wohl die einzigen Maßnahmen, um wenigsten einige Auswirkungen von Naturkatastrophen präventiv entgegen zu wirken. Der Standort des Krankenhauses liegt nicht zufällig an einem der lebensfeindlichsten Gebiete Gabuns, am Fluss Ogooué. Der Name Lambaréné kommt aus der Stammessprache der Galoa und bedeutet „Wir wollen es versuchen“ und so schloss sich der Kreis zum gleich lautenden Thema und Motto („attempto“) nicht nur des Vortrags, sondern des Lebenswerks des Vortragenden, der sich seit seinen Tagen in Lambaréné dem Vorbild Albert Schweitzers verschrieben hat. (A. Stadler) |