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Klassik für Herz und Kopf
Ein Konzert, das nur Gewinner sah



Ausverkaufte Lutherkirche, Rotary-Hilfe Konstanz-Rheintor, die weltberühmte Geigerin Alina Pogostkina zusammen mit einem höchstkarätigen Ensemble.
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Ein großes Kammermusikprogramm – alles im Dienst herzkranker Kinder und gegen Verstümmelungsschande ganzer Völker: es kam viel zusammen bei der “Rotary Classik Night”, die als “Romantische Klassik-Nacht” dem Inhalt des Programms noch näher gekommen wäre.
Brahms und Dvorak, das klingt vereinfacht wie Kopf und Herz. Aber vereinfacht spielte Pogostkinas Streichquartett mit je einmal Klarinette und einmal Klavier eben nicht: In Johannes Brahms’ h-Moll-Klarinettenquintett baut sich hinter der Sonatenkonstruktion ein so unablässig wogendes Musizieren auf, erhalten Themen und Motive so träumerische und klangdelikate Gestalt, verschaffen sich erregte Passagen Raum, dass der “norddeutsch kühle Brahms” ein wärmendes Fest der Sinne wurde. Da schmiegte sich die dunkle A-Klarinette fein ins Streichquartett hinein, lösten sich getrichene und geblasene Linien ineinander auf, bekamen herbe Harmonien und schroffe Akzente noblen Glanz. Die Streicher Alina Pogostkina und Alexander Sitkovetsky (Violinen), Razvan Popovici (Viola) und Adrian Brandel (Cello), jeder für sich genommen ein herausragender Solist, liefen im schier endlosen Spiel des Zusammenklangs zu unglaublicher Präzision mit schönsten Momenten kammermusikalischer Hochkultur auf, wurden umschmeichelt und mitgeführt von der Solitärstellung von Reto Bieri, der seiner Klarinette samtweiche Linien und treffsichere melodiche Ausrufezeichen in Perfektion entlockte.
 Antonin Dvoraks A-Dur-Klavierquintett mit der gewandten und klangversierten Pianistin Diana Ketler schien vor melodisch prall gefüllter Lebhaftigkeit schier zu bersten. Wolkenverhangenem Brahms folgte Dvoraks lachende Sonne losgelassener Fröhlichkeit im Glitzer von Klavier-Arpeggien, im volkstümlichen Tanzen und Aufmucken slavischer Effekte und Motive. Alles war anders, sogar der Primgeiegerplatz war getauscht worden, aber eines blieb: Unbedingte Feinabstimmung von Instrumenten und Spielern; darüber die Lust am Klang und Temperament. Da hatten sich Können und Genießen die Hand gegeben.
 Balkanisch frech legte der Klarinettist bei den Zugaben mit Streicherhilfe einen aufmüpfig-quirligen Volkstanz hin, der aufjubeln ließ. Musik für Kopf und Herz- ein Konzert, das nur Gewinner sah: Helfende und Hörende.
Reinhard Keller (Südkurier 25.7.2011) |
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Mittwoch, 27. Juli 2011/web320
Letzte Änderung: 27.07.11/web320
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