|
Nach sehr interessanten Erläuterungen des Aufbau und der Funktionsweise der Orgel wurde anschließend im Hotel Mohren unser 75. Clubmitglied aufgenommen.
Freund Alexander Bürkle hatte eingeladen zu einer Besichtigung besonderer Art: Ganz im Mittelpunkt stand die Orgel des Münsters und vor allem die Kinder und Jugendlichen sollten sich mit dem Instrument vertraut machen und – wer wollte – auch die Chance haben, darauf zu spielen. Freund Bürkle gab uns zunächst eine theoretische Einführung in den Aufbau des komplizierten Instrumentes und die Funktion der einzelnen Teile. Manuale, Pedale, Register und die 3000 Pfeifen der Orgel wurden anschaulich erklärt und die Klangbeispiele zeigten uns die vielfältigen Möglichkeiten des Instruments, dessen Beherrschung allen anwesenden allergrößten Respekt abnötigt.

Die Jugend war auch in ihren mathematischen und musiktheoretischen Kenntnissen gefordert, wenn sie sich überlegen sollten, welche Töne und Unterschiede sich hinter den Bezeichnungen 16‘, 8‘, 4‘, 2‘ und 1 1/3‘ (Fuß) verbergen – sie haben sich tapfer geschlagen! Im „praktischen Teil“ waren Lea und Jan Hoffmann so mutig, sich ans Vorspielen zu wagen – einzeln und gemeinsam mit „Yankee Doodle“, der schon eine erhebliche Koordination und Händen und Füßen der beiden Spieler erforderte. Auch der „Bärentanz“ (mit Manualwechsel) gelang schon ausgezeichnet und bekam viel Beifall.
Die Traktur der Orgel ist bis heute eine mechanische geblieben, d.h. mit Betätigen der Tasten auf dem Manual wird durch eine Seilzugtechnik das Ventil der Pfeife geöffnet und bleibt so lange offen wie die Taste gedrückt ist. Die älteste Orgel, die nach diesem Prinzip funktioniert, wusste Freund Bürkle zu berichten, steht in Sion in der Schweiz und ist über 500 Jahre alt. Alle Versuche einer elektronischen Traktur haben sich offenbar als weniger belastbar erwiesen und wir alle konnten auf der Rückseite der Orgel die Funktionsweise der Lattenzüge betrachten. Zu den weiteren praktischen Kostproben gehörten eine Klaviersonate von Mozart (gespielt von Monika Piltz-Hönig‘s Tochter Maren) und der Simon & Garfunkel Klassiker „Scarborough Fair“ (gespielt von Laetitia Veeser).
Michael Veeser konfrontierte die Kinder und Jugendlichen dann mit einer Frage zum Text des alten englischen Volksliedes mit mittelalterlichen Wurzeln, die sicher schon viele Simon & Garfunkel Fans beschäftigt hat: „Are you going to Scarborough Fair? Parsley, sage, rosemary and thyme, Remember me to one who lives there, For she once was a true love of mine.” - siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Scarborough_Fair

Was haben „parsley, sage, rosemary and thyme“ (Petersilie, Salbei, Rosmarin und Thymian) in dem Lied zu suchen, das sich sonst keineswegs mit Kulinarischem befasst? Michael Veeser verriet uns natürlich auch die Lösung: Den Kräutern kam im Mittelalter symbolische Bedeutung zu, so stand Salbei für Kraft, Rosmarin für Treue und Liebe und der Thymian für Mut – er war deshalb oft auf Schild oder Kleidung der Ritter zu finden. Damit war elegant der Bogen zur Insel Reichenau geschlagen und dem berühmten Kräutergärtchen des Walahfrid Stabo (808-849), seines Zeichens Benediktinermönch, Dichter und Botaniker. 839 wurde er Abt im Kloster Reichenau und legte den bis heute erhaltenen Garten an – die Kinder konnten das im mitgebrachten Buch bestaunen. Die Orgelführung endete mit „In dulci jubilo“ und dem Präludium in C-Dur von J.S. Bach, in gewohnter Virtuosität von Alexander Bürkle auf „seiner“ Orgel gespielt. Ihm sei an dieser Stelle im Namen aller noch einmal ganz herzlich für den tollen Nachmittag gedankt!
Leicht durchgefroren (Freund Bürkle hatte uns schon vorgewarnt, dass es im Münster kalt werden könnte) begaben wir uns schließlich in den „Mohren“ zum zweiten Teil mit Kaffee und Kuchen und einem weiteren wichtigen Programmpunkt.

Im Mittelpunkt stand nämlich die Aufnahme unseres 75. (!) Clubmitglieds Jörg von Strom, der mit seiner Frau Katrin gekommen war. Thomas Seiler wies in seiner kleinen Ansprache auf die Bedeutung der Freundschaft im Club und unsere Sozialprojekte hin und hieß Jörg von Strom herzlich willkommen. Mit dieser stattlichen Mitgliederzahl sind wir der größte Rotary Club in Konstanz! Wie alle „Neuen“ wurde er von Freund Wolf-Dieter Krause mit den essentiellen rotarischen Unterlagen ausgestattet und ihm deren Lektüre ans Herz gelegt und die Anwesenden konnten mit einem Glas Sekt auf unser neues Mitglied anstoßen. Die wichtige Rolle der Paten bei der Einführung eines neuen Mitglieds in die ungeschriebenen rotarischen Regeln (wie etwa „Zwischenrufe bei Vorträgen sind erst ab einem Jahr Mitgliedschaft erlaubt“) und die vier Fragen unterstrich Freund Andreas Görwitz mit einem kleinen „Paten-Bericht aus dem RC Bröckedde“, bei dem – wie immer in solchen Geschichten – alle Ähnlichkeiten mit lebenden Rotariern natürlich rein zufällig sind. A. Stadler |