... wieder ein höchst interessantes Auswärtsmeeting Besuch der Musikhochschule Trossingen Am Montag, 16. Mai 2011, besuchten wir durch Vermittlung von Frd. Alain Ohl die Musikhochschule in Trossingen.
Musikhochschule
Trossingen
Betriebsbesichtigungen gehören zum Standardrepertoire des Clubs. Dabei lernen wir etwas über
Produktionsverfahren, Vertriebsstrukturen, globalen Konkurrenzkampf, Gewinn,
Verlust und EBIT. Auch in der Musikhochschule Trossingen wird „produziert“
in Konkurrenz mit nationalen und internationalen Hochschulen. Und doch sind
es Welten, die eine Musikhochschule vom Industriebetrieb
unterscheiden.
Dort der lärmende Produktionsprozess vom Prototyp zum serienreifen
Massenprodukt - hier die musikalische Erziehungsarbeit an
jungen, beseelten Menschen, die sich mit Haut und Haar der Musik verschrieben
haben. 45 Professoren und 100 Lehrbeauftragte arbeiten an der Ausbildung von
knapp 500 Studenten aus 60 Nationen. Überfüllte Hörsäle mit hunderten von
Studenten kennt man in Trossingen nicht. Es geht spürbar intimer zu bei der
Ausbildung zum Musiker. Da gibt „der Herr Professor“ Einzellektionen in
schalldichten Unterrichtsräumen ( in denen es nur so wimmelt von Steinways,Boesendorfers, Bechsteins & Co ). Es gibt eine 1:1 Betreuung, fern jeder Anonymität. Das
fängt schon beim Aufnahmeverfahren an (80 Plätze auf 1500 Bewerbungen). Es
zählt nicht die Schulnote, sondern das Vorspiel. Selbst „die Persönlichkeit“
wird bewertet. Eine andere Welt! Und eine besondere Atmosphäre, die mit Händen
zu greifen war bei sehr sympathischer Führung durch Prorektor Prof.
Peter Nelson und die Rektorin Prof. Elisabeth Gutjahr.
Auch am späten Abend
huschen noch Studierende an der rotarischen Besuchergruppe aus Singen
vorbei und erhalten ein freundliches, nicht unbeantwortet bleibendes
Lächeln des Professors. Man ist fleißig in Trossingen.
Es wird geübt und geprobt
von 08:00 Uhr morgens bis 22:00 Uhr in der Nacht. In der schwach besetzten
Verwaltung brennt das Licht gerne bis Mitternacht – nachvollziehbar angesichts
eines dicht gedrängten Veranstaltungsprogramms mit nahezu täglichen
Konzerten in der Region – vom Soloabenden überOrchesterkonzerte bis zu
Choraufführungen.
Vier Jahre dauert es vom
ersten Semester bis zum Bachelor-Abschluss. Zwei weitere Jahre braucht´s
für den Master. Wer will, kann die Ausbildung zum Solisten anschließen und
mit der Promotion abschließen. Am Ende der Ausbildung muss man – auf
welchem der 100 angebotenen Instrumente immer – eines können: der Ton muss
zum Klang werden! Auch der zarteste Klang muss bis in den letzten Winkel
auch eines großen Konzertsaales tragen! Es muss der Musiker „den Klang im Raum
hören“. Sonst fällt er durch (was in 10 Jahren nur einmal vorkam). Verpönt
sind Künstler, die sich beim Musizieren „ausstellen“. Nicht der freie Stil eines
„bildenden Künstlers“ ist gefragt, sondern dieUnterordnung unter das
Werk – was für den Solisten gleichermaßen gilt wie für den Orchestermusiker.
Prorektor Nelson schwärmt
vom hohen Niveau der Musikerziehung in Deutschland. 25 % aller
Berufsmusiker weltweit stammen immer noch aus Deutschland. Kritisch
ergänzt die Rektorin, dass die Elite unter den Hochschülern zunehmend aus
dem asiatischen Raum kommt.H
Die Musikhochschule Trossingen – eine
von fünf Einrichtungen dieser Art in Baden-Württemberg (sämtlich in
Großstädten angesiedelt) – sieht sich als regionales Zentrum eines vitalen
ländlichen Raums. Man stellt höchste Ansprüche an das Niveau der
musikalischen Erziehung – und erfüllt sie auch, wie zahlreiche Auszeichnungen belegen.
Den musikalischen Beweis lieferten der Schlagzeuger Mads Büchert und das Duo
I-chiao Shih (Sopran) und Clemens Müller (Klavier). Welch eine Freude
für Auge und Ohr angesichts höchster Virtuosität und Musikalität der Künstler.
Der Abend schloss mit ungewöhnlich anregenden Gesprächen bei Häppchen und
Grauburgunder! Beseelt fahren wir zurück in die Industriestadt unterm
Twiel.
Freitag, 2. November 2007/web300
Letzte Änderung: 14.07.11/web300