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Bildillustration

Die Damen in unserer Kleiderkammer leisten Großartiges
40 Jahre Kleiderkammer des Rotary Club Singen

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Nachrichtenbild Der Singener Oberbürgermeister Ehret gratulierte dem Rotary Club Singen und hier ganz besonders den Damen der Rotarier, die seit 40 Jahren die Kleiderkammer betreuen.

40 Jahre rotarische Kleiderkammer – das Kleiderkammerfest.

Es war ein ganz besonderes Fest, das die Damen der Kleiderkammer organisiert hatten: gewiss in der rotarischen Perfektion bis zum Käse und Dessert am Schluss, doch das spezielle Ambiente mit den jenischen Nachbarn über dem Zaun nebenan und den vielen nützlichen Dingen für die Bedürftigen in den Räumen im Rücken, wo an langen Tafeln die Gäste Platz nahmen, war ausschlaggebend.

Zuvor begrüßte der Präsident die Gäste  und pries die Damen und ihr Engagement. Dasselbe tat auch der sichtlich beeindruckte Oberbürgermeister, der die rotarischen Damen fast schon etwas frivol als „Powergirl-Team“ titulierte.

Der Kammervorsitzenden Liane Merkel, die diesem sozialen Unternehmen seit 1993 mit großer Souveränität und Umsicht vorsteht – vorher hatte dieses Amt Gudrun Wäschle lange 22 Jahre ausgeübt; an sie gingen die lieben Gedanken vieler Anwesender! – blieb es selbstverständlich vorbehalten, auf diese arbeitsreichen 40 Jahre zurückzublicken.

Die Singener Kleiderkammer hat mit den beliebten Second-hand-Aktionen, bei denen von Damen der gehobenen Stände schicke ausrangierte Kleidung für einen guten Zweck zum Kauf angeboten wird, nichts zu tun, denn sie bedeutet harte Sozialarbeit an der Basis.

Liane Merkel erinnerte an den „Denkanstoß“, der 1971 vom Göttinger Rotary-Hilfskreis für Aussiedler kam, der um Mithilfe bat. Helga Bilger war die Initiatorin beim RC Singen und 20 rotarische Damen meldeten sich spontan, um bei dieser Sozialarbeit mit anzupacken. Die ersten „Kunden“ waren deutschstämmige Aussiedler aus Osteuropa, die mit Begrüßungskaffees, Weihnachtsfeiern, Unterstützungen bei Behördengängen, Besorgung von Praktikantenstellen und Wohnungen und vielen anderem umsorgt wurden, damit der Start in die bundesrepublikanische Gesellschaft gelingen möge.

Auf die Spätaussiedler folgten die Asylbewerber aus allen Herren Ländern, die nicht immer das „Matriarchat“ der Damen in der Kleiderkammer anerkennen wollten, doch da gerieten sie an die "Richtigen"; Ihnen folgten Frauen und Männer, die aus DDR-Haft freigekauft wurden, die buchstäblich nur in Hemd und Hose in Singen ankamen, und jüdische Kontingentsflüchtlinge aus der Sowjetunion. Die meisten hatten nur ihr Handgepäck, zum Einzug in eine Wohnung fehlte es an allem: vom Kochtopf bis zur Schere. Zeitweise nähten Lions-Damen in einer Nähstube für die vielen Menschen, die ins Land strömten.

1989 nach dem Fall der „Mauer“ wurde die Kleiderkammer zu einem Großunternehmen, das 1200 Menschen im ganzen Landkreis betreute: „Die Arbeit wuchs uns fast über den Kopf!“, bekannte die Kammervorsitzende Liane Merkel. Es gab in den 40 Jahren immer wieder einen Wechsel unter den Damen, aber der Wille, weiter zu machen sei immer da gewesen, auch als 2006 das Übergangswohnheim schloss und die Bewohner nach Konstanz umzogen. Die Kammerfrauen machten weiter.

Liane Merkel zollte höchste Anerkennung dem Hands-on-Projekt der Singener Rotarier, bei dem sich Bankdirektoren, Ärzte und andere Mitglieder hoher und höchster Stände im Arbeitskittel in der heutigen Unterkunft einfanden und unter Leitung der Frde. Martin Fluck und Josef Steidle reinigten, hämmerten, malerten und so Räumlichkeiten schufen, in der sich die Kammerfrauen wohl fühlten konnten.

Heute ist die Kleiderkammer, die so vieles zu bieten hat, den Angehörigen aller sozial benachteiligten Gruppen der deutschen Gesellschaft zugänglich, die an deren Rande leben. In der Kleiderkammer können sie sich – wenn sie von den Ämtern als berechtigt anerkannt sind – nicht nur mit Kleidern, sondern mit vielen Dingen des täglichen Bedarfs kostenlos eindecken, die man für ein einigermaßen bürgerliches Leben braucht: Geschirr und andere Küchenutensilien, Kinderspielzeug, Schuhe, Bettzeug und vieles mehr. Dass diese Basisarbeit nicht immer leicht ist und manchmal auch ein resolutes Auftreten der Damen verlangt, erfuhr man bei den Tischgesprächen während des Festessens, das den Gästen am Festabend von einem höchst kompetenten und umsichtigen Servicepersonal aufgetragen wurde, bei dem man wieder einmal konstatieren konnte, was eine solide Ausbildung und eine langjährige Anstellung in guten Häusern doch bewirkt.

Natürlich arbeitet die rotarische Kleiderkammer höchst effizient. Am Montag liefern Bürger aus dem großen Bekanntenkreis der rotarischen Damen und Geschäftsleute aus Singen und Umgebung solche Gegenstände an, die diese Einrichtung zur Verteilung an die Bedürftigen am folgenden Öffnungstag, immer ein Dienstag, gebrauchen kann. Jede der Damen hat ihre Aufgabe in der Kammer. Beim letzten Öffnungstag kamen gar 160 Menschen in die Kammer, die innert drei Stunden „bedient“ wurden.

Die Kleiderkammer der Singener Rotarierfrauen war längst ein Hands-on-Projekt, als dieser Begriff in der rotarischen Welt noch nicht bekannt war. Die rotarischen Frauen kommen hautnah mit Menschen zusammen, die man gemeinhin bei Meetings von Rotary Clubs oder Innerwheel nicht trifft.

Auch Pastgovernor Karl Steidle ließ es sich nicht nehmen, dieses 40-jährige Engagement der Damen zu würdigen, das den ethischen Werten Rotarys voll entspreche und versprach ihnen einen Zustupf zum Jubiläum aus den Überschüssen der Distriktskonferenz von 2010.

Zum Schluss gab es vom Präsidentenpaar bunte Blumensträuße für die Damen der Kleiderkammer. Es war ein wunderbares Fest, das die Kammervorsitzende Liane Merkel und die Kammerdamen den FreundInnen des RC Singen zu ihrem Jubiläum geboten haben.

Wolfgang Kramer

Hier nun einige Fotos dieser gelungenen Feier:
























Sonntag, 11. Oktober 2009/web300
Letzte Änderung: 18.04.11/web300


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